Frauen in Sagen und Legenden aus dem Münsterland

Cover von Katja Angenent: Von Geistern, Gespenstern und Gruselgestalten. Düstere Sagen und Legenden aus dem Münsterland. Agenda Verlag Münster 2022, 14,90 €
Katja Angenent: Von Geistern, Gespenstern und Gruselgestalten. Düstere Sagen und Legenden aus dem Münsterland. Agenda Verlag Münster 2022, 14,90 €

 

Für ihr Buch Von Geistern, Gespenstern und Gruselgestalten hat Katja viele Sagensammlungen gelesen - und ist in den Texten vor allem auf Männer als Protagonisten und Handelnde gestoßen. Es gibt aber auch Überlieferungen, in denen Frauen eine tragende Rolle spielen.

 

Diese Rolle kann ganz unterschiedlich ausfallen: Da gibt es Frauen, die eigenständig handeln, wenn sie etwas Ungewöhnliches erfahren, oder aber Frauen, die nur Opfer sind; unfreiwilliges Objekt einer Sache, die ihnen geschieht. Diese Frauenrollen spiegeln ein Stück weit auch die geschichtliche Realität wider. Denn auch, wenn es im Einzelfall anders ausgesehen haben mag: In der Vergangenheit waren Frauen keineswegs gleichberechtigt. Über Jahrhunderte hinweg lebten sie in einer patriarchalischen Gesellschaft - nicht nur im Münsterland, sondern bis auf wenige Ausnahmen in ganz Europa.

Das bedeutet zwar, dass Frauen generell weniger Handlungsmöglichkeiten hatten als Männer - aber auf keinen Fall, dass sie in jeder Situation generell hilflos oder machtlos waren. Genau das spiegeln auch die überlieferten Sagentexte.

 

In den Sagen und Legenden des Münsterlandes begegnen uns auf der einen Seite herrische, machtbewusste und eitle Frauen. Die werden in den Texten für ihr überhebliches Verhalten bestraft - genauso wie in anderen Texten Männer übrigens ... Das Übertreten von gesellschaftlichen Grenzen kommt in den Sagen und Legenden nicht gut weg, ganz egal, ob der Grenzübertritt von einer Frau oder einem Mann begangen wird.

Es gibt aber auch Überlieferungen von fleißigen und hilfsbereiten Frauen. Diese Frauen werden, genau wie im Märchen, in der Regel für ihr Verhalten belohnt, zum Beispiel durch das Finden eines Schatzes.

 

 

In münsterländischen Sagen spiegeln sich verschiedene Frauenrollen

Und es gibt noch eine dritte Kategorie von Frauen in den Sagen und Legenden des Münsterlandes: Das sind die unheimlichen, alten Frauen, die von außerhalb kommen. Deren Erscheinen bedeutet zumeist für alle, die ihnen begegnen, nichts Gutes. Dabei muss die Frau noch nicht mal tatsächlich Schuld haben.

Auch dieses düstere, unheimliche Frauenbild hängt mit der gesellschaftlichen Rolle solcher ledigen und oftmals armen Frauen in vergangenen Zeiten zusammen. Leider gab es früher für diese Frauen, die oftmals ohne eigenes Verschulden unter Altersarmut und Einsamkeit litten, nur wenige Anlaufstellen. In Sagen und Legenden werden sie zu Unglücksbringerinnen und Prophetinnen des Schicksals - auch, weil andere Menschen sie nur schwer einschätzen konnten.

 

Wer sich für die Themen Frauenvergangenheit oder Frauenbilder in der Literatur interessiert, findet eine Menge Lesestoff. Hilfreiche Sachbücher zum Thema sind unter anderem:

  • Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. C.H. Beck 1991.
  • Grenz, Wilkending (Hrsg): Geschichte der Mädchenlektüre. Mädchenliteratur und die gesellschaftliche Stellung der Frauen. Juventa 1997.
  • King, Margaret L. : Frauen in der Renaissance. C.H. Beck 1993
  • Saatkamp, Marielies, Dick Schlüter (Hrsg).: Van Hexen un Düvelslüden. Über Hexen, Zauberei und Aberglauben im niederländisch-deutschen Grenzraum. Landeskundliches Institut Westmünsterland 1995.
  • Schirmer, Eva: Mystik und Minne. Frauen im Mittelalter. Elefanten Press 1984.

 

Wer mehr wissen will über Frauenrollen und Frauenbilder in den Sagen und Legenden des Münsterlandes, darf gerne das entsprechende Buch lesen. Katja ist aber auch für eine Lesung zum Thema buchbar: